SommergesprächeFolge 3

Marie Filippovits, Grünalternative Jugend

Marie Filippovits hofft, dass die Grünen die Alternative zur „schwarz-blauen autoritären Wende“ sein werden. Sie ist Vorsitzende der neuen grünen Jugendorganisation und will ein „freundschaftlich-kritisches“ Verhältnis mit der Partei pflegen. Dennoch: „Aufmüpfig sollte jede kritische junge Person sein.“

Was motiviert einen jungen Menschen sich nach dem turbulenten letzten Jahr für die Grünen zu engagieren? Auch wenn es viele Baustellen gibt, Marie will etwas beitragen. Die Grünen stehen für die Schaffung einer sozialen und ökologischen Gesellschaft – hier setzt die 18-Jährige an.

Begonnen hat Marie Filippovits ihr Engagement bei der roten Schülerinnenorganisationen AKS. Durch den Wandel bei den politischen Jugendorganisationen und persönliche Kontakte ist sie jetzt zur Grünalternativen Jugend gekommen. Die Grünalternative Jugend bzw. Grüne Jugend ist aktuell nur in den Ländern vertreten. Ein Bundeskoordinationsteam arbeite aber an der Schaffung einer bundesweiten grünen Jugendorganisation. Das gestalte sich schwierig, weil Förderungen durch die Bundespartei ausfallen. „Deshalb müssen wir schauen, dafür geldliche Ressourcen zu finden.“

Das neue Verhältnis zur Mutterpartei

„Wir sind keine Partei und kein Parteibündnis“, sagt Marie. Die Grünalternative Jugend ist aber dennoch die offizielle Jugendorganisation der Grünen. „Uns ist es aber auch Recht mit einem gewissen Abstand zu ihnen betrachtet zu werden.“ Das Ziel sei ein „freundschaftlich-kritisches Verhältnis“.

Marie war nicht selbst bei den Jungen Grünen, sondern nur bei einigen ihrer Treffen, deshalb habe sie den Streit mit der Mutterpartei nur von außen wahrgenommen. Ob sie die Kritik Flora Petriks an den Grünen nachvollziehen kann? „Manche Punkte hatten durchaus ihre Berechtigung. Aber auf der anderen Seite wurden auch viele Dinge falsch in die Medien verbreitet oder die Medien haben das dann auch nochmal anders stilisiert.“ Wahnsinnig viele Aktivistinnen seien dadurch aber abgeschreckt worden und verloren gegangen. „Weil viel passiert ist, was nicht so durchschaubar war.“

Wird die neue Organisation weniger aufmüpfig sein als die Jungen Grünen? „Kritik an der eigenen Partei zu haben ist wichtig, gerade in der Situation, in der wir sind“, sagt Marie. Aber auch ein freundschaftliches Verhältnis zu haben sei wichtig. „Es sind genug Schuldzuweisungen gefallen. Das sollten wir hinter uns lassen.“ Am ehesten würde Marie aber die Kommunikation sowohl innerhalb der Partei als auch nach außen kritisieren. „Da werden wir probieren anders zu arbeiten“, aber Marie sagt auch: „Aufmüpfig sollte jede kritische junge Person sein.“

Politische Träume

Ihre wichtigste politische Forderung hat Marie für uns nicht parat, allerdings eine Wunschvorstellung von Gesellschaft und politischer Arbeit: „Dass sich das Konzept einer nicht wachstumsorientierten Gesellschaft bzw. Wirtschaft in der politischen Arbeit widerspiegelt und so vermittelt wird, dass wir es wirklich aktiv in die Köpfe der Menschen bekommen.“ Laut Marie gehören dazu etwa auch Forderungen nach ökologischer und sozialer Gerechtigkeit. „Das sind auch die Grundwerte, die wir vertreten: Solidarisch, ökologisch, feministisch.“

Im Osten geht die Demokratie unter

Anfang des Jahres hat die Grünalternative Jugend Wien ein Dollfuß Porträt in die Wiener ÖVP-Parteizentrale gebracht und damit Freiheitseinschränkungen durch die aktuelle Regierung kritisiert. Aber kann man die aktuelle ÖVP wirklich mit der Dollfuß-Partei vergleichen? „Ich glaube das war natürlich etwas überspitzt. Es war natürlich auch so konstruiert, dass es medientauglich ist. Aber ich glaube das ist ja ganz klassisch, wenn man Aktionen setzt, dass die so gestaltet sein müssen, dass alles ein bisschen überzogen ist.“ Außerdem seien unter schwarz-blau sehr wohl persönliche Freiheitsrechte eingeschränkt worden, durch ständige Überwachung oder etwa, wenn Sturmgewehre an die Polizei verteilt werden und man sich bei Demonstration nicht mehr sicher und frei fühlen könne. Wenn der Staat sich aufrüstet und wenn der Staat Überwachungssysteme einführt, dann sei das für Marie natürlich ein Angriff auf die eigene Bevölkerung. „Wir gehen da einfach immer mehr Richtung Orbán“. Viele Forderungen gingen schon sehr stark in Richtung Abschaffung der Demokratie. „Wir haben schon noch ein demokratisches System und es ist noch nicht so schlimm wie in Polen oder Ungarn, aber ich glaube es geht in eine ähnliche Richtung.“

Grüne Zukunft

Bei den Grünen müsse sich in Zukunft noch viel ändern. „Ich habe immer noch die Hoffnung, dass sie die Partei sein werden, die sinnvolle Alternativen gegen diese schwarz-blaue autoritäre Wende präsentieren kann.“

Und ihre persönliche Zukunft? Marie ist gar nicht so interessiert an der österreichischen Politik. Sie würde gerne etwas auf globaler bzw. internationaler Ebene machen, denn dort warten auch die Probleme der Zukunft. „Ich wäre persönlich wahrscheinlich auch echt nicht gut darin einen Schlagabtausch mit rechtsextremen Politikerinnen und Politikern zu führen, so diplomatisch bin ich dann doch nicht.“

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