SommergesprächeFolge 1

Flora Petrik, Junge Linke

Flora Petrik wird immer ein politischer Mensch bleiben. Wenn sie um vier Uhr früh in der U-Bahn erkannt wird, diskutiert sie. Und wenn Österreich eine ernstzunehmende Linke fehlt, dann gründet sie halt eine neue. Denn: „Politisch aktiv sein ist keine Jugendsünde.“

Wir schauen ins Frühjahr 2017. Die Grünen beenden die Zusammenarbeit mit ihrer Jugend, ihre Sprecherin, Flora Petrik, wird zur Parteirebellin ausgerufen. Es ist der Anfang vom Ende. Erst tritt Eva Glawischnig zurück, die Regierung ist sich uneinig, es gibt Neuwahlen, dann ist Herbst, der letzte, den die Grünen im Parlament verbringen werden. Dieses Mal haben die Stimmen nicht gereicht.

Flora Petrik spricht vom „turbulentesten Jahr ihres Lebens“. Jetzt – im Sommer 2018 – denkt sie oft an diese Zeit zurück. Ob sie alles wieder so machen würde? Vieles ist nicht gut gelaufen, vielleicht hätte man an den Konflikt anders rangehen können. Aber die Probleme seien da gewesen. Ihren Beitrag bereut sie nicht. „Der Rummel um meine Person war eine Notwendigkeit, der mit dem Austragen des Konflikts einhergegangen ist.“ Irgendjemand hat die Aufgabe schließlich übernehmen müssen.

Wie geht die Öffentlichkeit mit einer jungen Frau um, die sagt, was ihr nicht gefällt? Flora war damals 22. „Ich habe schon das Gefühl gehabt, dass mir oft genauso begegnet wurde – die junge Idealistin, eine Frau noch dazu. Das spielt natürlich eine Rolle, besonders gegenüber älteren Herrschaften.“ Hat man einen Plan, eine Richtung, wo es hingehen soll, wird man aber sehr wohl ernst genommen. Umso konkreter der Weg, desto mehr Menschen hören zu.

Ihr Urteil: Die Grünen haben den Weg verloren. „Jetzt haben sie nicht mehr die Kohle, jetzt haben sie nicht mehr die Posten, auf die sie sich verlassen können.“ Sie fordert weiterhin eine Öffnung der Partei, es braucht mehr ehrenamtliche Arbeit – und ein Ziel. „Solange du nicht weißt, wo du hinwillst, kannst du nur falsch abbiegen.“ Eine Rückkehr zu den Grünen ist keine Option. „Ich sehe die Grünen nicht mehr als eine Partei, die die Gesellschaft verändern, sondern den Normalzustand weniger schlimm machen will.“

Wie die Mutter, so nicht die Tochter

Die Großmutter bei der ÖVP, die Mutter bei den Grünen: In der Familie wurde immer viel diskutiert, Flora selbst spricht von „produktivem Streit“. Die Grünen waren nicht vorgegeben, aber das „linkste, das es damals im Burgenland gab“. Sie fühlte sich ohnmächtig, den gesellschaftlichen Entwicklungen ausgeliefert. Irgendwann hat sie verstanden, dass es Organisationen gibt, wo viele zusammenkommen und den Anspruch stellen, mehr zu werden, um gemeinsam die Welt zu verbessern. Das war ihr politischer Moment.

Über das Linkssein

Die Rechten schließen Bündnisse, während die Linken miteinander streiten. Flora stimmt nicht zu und korrigiert: „In Österreich gibt es keine linke Partei mit Relevanz.“ Und selbst, wenn sich die Parteien, die sich links verorten, zusammenraufen würden, wären sie immer noch nicht stark genug. In den nächsten Jahren wird aber deutlich werden, dass es eine Linke braucht. Die derzeitige Opposition sei kraftlos, die Ideen fehlen. Deshalb ist es Aufgabe der Jungen Linken Widerstand wieder notwendig zu machen.

Die Jungen Linken wurden im Juni 2018 gegründet, ihre Sprecherin ist Flora Petrik. Ihre wichtigste Forderung? Die Schere schließen. Arm und Reich sollen sich nicht noch weiter voneinander entfernen. Alleine wird das nicht gelingen, aber die Jugendorganisation will ihren Beitrag leisten. Ziel sei nicht, bei der nächsten Nationalratswahl anzutreten. „Ich würde nicht sagen, wir gründen per se eine neue linke Partei. Wenn das aber irgendwann der richtige Schritt ist, dann werden wir uns dahinterklemmen.“

K wie Kommunismus

oder wie Protest. Flora ist sich unsicher, ob der Begriff die Wählerschaft abschreckt. „Aber wir sind auch nicht die Jungen Kommunisten, sondern die Jungen Linken.“ Sie selbst nennt sich stolz eine Kommunistin und will für eine Welt stehen, in der man ohne Angst verschieden sein kann.

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